Italienische Marine (Regia Marina)

Nach dem Fall des Römischen Imperiums im Jahr 476 n.Chr. wurde die italienische Halbinsel für mehr als 1000 Jahre bis zur Ausrufung des Königreichs von Italien im Jahr 1861 nicht mehr vereint. Aus dieser Vereinigung entstand die italienische Marine, bekannt als Regia Marina. Zentral im Mittelmeer gelegen versuchte die neu gegründete Regia Marina das Mittelmeer als Mare Nostrum („Unser Meer“) zu beanspruchen.

Dabei wetteiferte sie ständig mit Frankreich, England und Österreich-Ungarn um die Vorherrschaft auf dem Mittelmeer, was die Regia Marina zu einem Hauptthema der italienischen Politik machte.

Unglücklicherweise wurde die Regia Marina von Anfang an durch einen Mangel an Zusammenhalt und Einheit unter ihren Offizieren und bei ihrer Ausrüstung stark eingeschränkt. Dazu trug außerdem noch das sehr geringe Budget bei, was zu einer schlechten Infrastruktur und Ausstattung zur Unterstützung der Marine führte. Außerdem konnten die italienischen Marineschulen nicht mit dem rasant voranschreitenden technologischen Fortschritt mithalten. D

ie Marinen von Italien und Österreich-Ungarn verbrachten schließlich die meiste Zeit des Ersten Weltkriegs damit, sich gegenseitig aus ihren Häfen fernzuhalten, mit Ausnahme der MAS-Motorboote (Mezzi d’Assalto oder Torpedo-Motorboote) und den ersten funktionierenden Prototypen von kleinen, mit einem einzelnen Torpedo bewaffneten U-Booten (genannt „menschliche Torpedos“), welche spät im Krieg zum Versenken zweier Österreichisch-Ungarischer Schlachtschiffe eingesetzt wurden.

In der Zwischenkriegszeit wurde die Regia Marina durch die sich ändernde globale politische Situation erneut unter Druck gesetzt, sich für eine angemessene Design-Richtlinie für ihre Kriegsschiffe zu entscheiden. Da sie zu dem Schluss kamen, dass die Franzosen ihre wahrscheinlichsten Gegner sein würden, wurden die Geschwindigkeit und die Langstreckenartillerie verbessert und die Marine begann mit der Modernisierung ihrer alten Kriegsschiffe aus dem Ersten Weltkrieg.

Ebenso wurden die Littorio-Klasse Schlachtschiffe sowie eine große Bandbreite an U-Booten und Kreuzern entwickelt, darunter auch die Zara-Klasse: die besten gepanzerten schweren Kreuzer, die jemals gebaut wurden bis sie fast 20 Jahre später erst von der amerikanischen Des Moines-Klasse übertroffen wurden.

Obwohl sie mit der viertgrößten Marine der Welt in den Zweiten Weltkrieg eingetreten waren, hatten die Italiener einige Schwierigkeiten beim Kampf gegen die Franzosen und Briten um die Vorherrschaft auf dem Mittelmeer. Während ihre Schiffe über große Feuerreichweiten und exzellente Feuerleitsysteme verfügten, führte der fast vollständige Verzicht auf Radar- und Sonartechnologie dazu, dass die Regia Marina zu einer „Schönwetter-Flotte“ wurde, da sie sich auf visuelle Zielsysteme verließ, was Nachtschlachten und Gefechte bei schlechtem Wetter zu einem großen Nachteil für die Regia Marina machte.

Die Kommandeure waren sich ihrer Unfähigkeit, Verluste zu ersetzen, bewusst und mussten daher jedes Gefecht mit dem Hauptquartier absprechen, was wertvolle Zeit kostete und selbst klare Vorteile zunichte machte. Da sie nur im Mittelmeer nahe der italienischen Halbinsel operierte, wurden der Marine keine Ressourcen für die Marinefliegerei zur Verfügung gestellt. Trotzdem hatte die Regia Marina den Ruf, gut geplante Schiffe zu besitzen und über gut trainierte Seeleute zu verfügen, die in der Schlacht von Taranto die britischen Schiffe HMS Queen Elizabeth und HMS Valiant schwer beschädigten und weiter gegen die Royal Navy, einen sehr erfahrenen und eigentlich überlegenen Feind, kämpften und der sie drei Jahre lang bis zum Waffenstillstand 1943 trotzten.

 

Wie die meisten Seemächte schenkte die Regia Marine in der Zwischenkriegszeit Tarnbemalungen der Schiffe kaum Aufmerksamkeit. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden die italienischen Schiffe entsprechend des 1929 festgelegten Standards lackiert.

Dieses Muster sah vor, dass der Teil des Rumpfes über der Wasserlinie und die vertikalen Oberflächen in hellem aschgrau (Grigio Cenerino) lackiert wurden. Der unter Wasser befindliche Teil der Rümpfe großer Schiffe sollte dunkelgrün (Verde Scuro) lackiert werden, während der unter Wasser befindliche Teil der Zerstörerrümpfe ziegelrot (Rosso Mattone) war. Die Metallteile der Decks waren dunkelgrau mit metallischen Spuren (Grigio Ferro), während das Holz der Decks unlackiert blieb. Wasserlinie, Mastspitzen und Hauben der Schornsteine waren schwarz.

Mit Ausbruch des Krieges veränderte sich das Bild. Nachdem italienische Flugzeuge irrtümlich ihre eigenen Schiffe bei der Seeschlacht bei Punta Stilo im Juli 1940 bombardiert hatten, wurden Identifikationsmerkmale eingeführt. Damit man eigene Kriegsschiffe aus der Luft leichter erkennen konnte, wurden abwechselnd rote und weiße Streifen auf das Tank- oder das Achterdeck aller Schiffe angebracht. Die Oberseiten der schiffsgestützten Wasserflugzeuge wurden ähnlich bemalt.

Auf Zerstörern und Torpedobooten reichte der Identifikationsbereich bis zum Bugwellenbrecher, während er auf größeren Schiffen nur bis zum Bugturm reichte. Schlachtschiffe der Littorio-Klasse bildeten die einzige Ausnahme, jedes dieser Schlachtschiffe hatte seine Besonderheiten. Littorio und Vittorio Veneto hatten Identifikationsstreifen, die vor dem Bugturm endeten. Zudem hatte das hölzerne Achterdeck der Vittorio Veneto eine bleigraue Farbe mit diagonalen Streifen. Das Heck der Littorio erhielt diese Färbung erst viel später – gegen Ende 1941. Die Identifikationslackierung des Schlachtschiffs Roma reichte auf dem Bug bis zum zweiten Wellenbrecher, wobei ihr Heck überhaupt nicht lackiert war. Die Identifikationsstreifen der Littorio und Vittorio Veneto wurden Anfang 1943 übermalt, anders als die der Roma, die erhalten blieben, bis das Schiff versenkt wurde.

Die bei bewölktem Wetter kaum sichtbare hellgraue Farbe der italienischen Schiffe zu Friedenszeiten erschien fast weiß und war von weitem deutlich sichtbar, wenn das Wetter klar und sonnig war. Infolgedessen begann man 1940, Tarnmuster zu entwerfen. Am 18. Januar 1941 gab das Marineministerium endlich eine Verordnung heraus, die Tarnfarben für Kriegsschiffe einführte.

Die ersten Tests wurden mit den Kreuzern Fiume und Emanuele Filiberto Duca d’Aosta durchgeführt, die zu dieser Zeit in La Spezia repariert wurden. Am 21. Januar schickte das Ministerium zwei Proben experimenteller Tarnschemata, die auf Basis der während des Ersten Weltkriegs verwendeten Muster entwickelt wurden. Die Duca d’Aosta erhielt hell-gelbgrüne auseinandergehende Keile, die gegnerische Beobachter daran hindern sollten, die Schiffsbewegung zu bestimmen. Rumpf und Aufbauten wurden dunkelgrau lackiert. Dieses Schema wurde „Doppelfischgrät“ genannt. Später wurde dieser Tarnungstyp als ineffizient angesehen und alle Schiffe mit diesem Muster wurden neu lackiert. Das Schema für die Fiume – dunkle vertikale Streifen unregelmäßiger Form über Rumpf und Aufbauten – erwies sich als erfolgreicher. Die Gorizia – das einzige Schiff der Reihe, das die Schlacht bei Kap Matapan überlebte – erhielt März 1942 einen Tarnbemalungstyp namens Claudus (benannt nach dem Meereslandschaftsmaler, der ihn entwarf), der mittels Befehles vom 15. Februar eingeführt wurde. Er hatte ein recht aufwändiges Muster mit „gezackten“ Kanten. Zunächst verwendete man dunkelgraue, hellgraue und schmutzig-weiße (Bianco Sporco Opaco) Farben, die weißen Bereiche übermalte man später mit hellgrau. Die Tarnmuster blieben bis Ende des Krieges in Verwendung, wie man an den Bildern eines Schiffs unter Wasser sieht, die 1945 in La Spezia aufgenommen wurden. April 1942 wurde die Trento ebenfalls im Claudus-Schema bemalt, doch anstelle dunkelgrau hatte dieser Kreuzer schwarz.

Oktober 1941 wurde ein neues zweifarbiges Schema getestet. Helles aschgrau (Grigio Cenerino) war immer noch die Hauptfarbe, mit dunkelgrauen Streifen darüber. Bug und Heck hatten eine schmutzig-weiße Färbung, um die Größe der Wellen zu verbergen, die das Schiff verursachte, und so Beobachtern zu erschweren, die Geschwindigkeit zu bestimmen.

Am 29. Dezember 1941 wurde dieses Schema offiziell als Standard übernommen. Allerdings galt die Empfehlung, die Schiffe möglichst vielfältig und sogar die Seiten desselben Schiffs unterschiedlich zu gestalten. Die dunklen Streifen mussten unregelmäßige Formen haben, wobei horizontale, vertikale oder parallele Linien zu vermeiden waren. Im Laufe des Jahres 1942 wurde dieses Muster auf alle Schiffe der Regia Marine angebracht, außer den wenigen, die bereits nach dem Claudus-Schema bemalt waren. Juni 1942 erhielt die Trieste ein ähnliches Schema, allerdings mit einigen hellgrünen Bereichen, inklusive der Schiffsenden. Im Juli wurden diese hellgrünen Bereiche allerdings mit schmutzig-weißer Farbe übermalt und Ende August wurden sie aschgrau.

In der Anfangsphase des Krieges war ein anderes Claudus-Schema recht beliebt – ein kombiniertes Zersplitterungsmuster basierend auf zerbrochenen Vielecken, gefärbt in zwei kontraststarken Grautönen. In manchen Fällen konnten eine oder zwei weitere Farben – hauptsächlich hellblau (Azzurro) und schmutzig-weiß – an Rumpf, Enden und Aufbauten angebracht werden.

Ein ähnliches Muster – allerdings dreifarbig – wurde in einem anderen Schema verwendet, das glatte, gerundete Streifen hatte. In den vorherigen Tarnmustern konnten helle Farben auf jeden Teil des Schiffs angebracht werden, während bei diesem Tarnschema nur Bug und Heck helle Farbtöne hatten. Scheinbar wurde in diesem Fall die Methode der falschen Perspektive verwendet, ähnlich den Tarnmustern der Schiffe der Kriegsmarine.

Während ihrer Reparatur in Genua Anfang 1942 trug die Bolzano einige Zeit eine Tarnung, die ihre Entdeckung aus der Luft behinderte, doch bevor sie ihren Dienst wieder antrat, wurde die im Standardschema neu bemalt. Wie bei anderen Kreuzern wurden die schmutzig-weißen Bereiche Ende August 1942 mit aschgrauer Farbe übermalt.

Die Tarnmuster waren von Kreuzer zu Kreuzer unterschiedlich und sogar die Seiten desselben Schiffs waren unterschiedlich. Alle vertikalen Oberflächen waren bedeckt: Seiten, Aufbauten, Schornsteine und Türme. Wichtigster Zweck der Tarnungen war, die Bestimmung von Klasse, Kurs und Geschwindigkeit eines Schiffs zu erschweren. Diese Maßnahmen erschienen den Italienern wichtig, hauptsächlich in Hinblick darauf, die Gefahr durch die im Mittelmeer aktiven britischen U-Boote zu verringern. Trotzdem konnten die verbergenden Tarnmuster weder Trento noch Bolzano davor beschützen, von den Torpedos britischer U-Boote getroffen zu werden, also muss man davon ausgehen, dass diese Maßnahme nicht effektiv war.

Als Italien den Alliierten beitrat, wurden die verbergenden Tarnmuster abgeschafft und die italienischen Schiffe entsprechend dem Standardschema für alliierte Schiffe neu lackiert – ein dunkelgrauer Rumpf mit hellgrauen Aufbauten.