Schiffe der Kaiserlichen Japanischen Marine

Wows_flag_Japan.pngFür die Inselnation Japan war die Kaiserliche Japanische Marine (Imperial Japanese Navy – IJN) die Vorzeigegattung des Militärs dank der fortschrittlichen Entwicklung, der Qualität im Schiffsbau und der hervorragenden Seeleute. Japan war zudem bereit für und offen gegenüber ausländischen Einflüssen: Angefangen bei der Assimilierung von Technik nach Öffnung der Grenzen bis zum regelmäßigen Austausch mit der niederländischen, französischen, britischen und amerikanischen Marine. Viele nautische Studenten wurden zudem in den Akademien der Partner ausgebildet und zahlreiche Schiffe in ihren Docks gefertigt. Zum Zeitpunkt des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs war die IJN eine der wenigen Seestreitkräfte, die Marineluftstreitkräfte sinnvoll einsetzen konnten und die einzige Seemacht, die vollentwickelte Torpedos besaß. Ihre Geschichte ist reich an atemberaubenden Siegen und technischen Innovationen wie dem vernichtenden Erfolg im Russisch-Japanischen und im ersten Sino-Japanischen Krieg, der Schlacht von Tshushima, der Versenkung der HMS „Prince of Wales“ und HMS „Repulse“’, dem weltweit ersten zu diesem Zweck konstruierten Flugzeugträger und den tödlichen Typ 93 „Long Lance“-Torpedos. Zudem liefen viele Kreuzen und Zerstörer vom Stapel, die im Zweiten Weltkrieg zu den stärksten ihrer Klassen gehörten – obwohl sie deutlich älter als ihre Gegner waren.
Nichtsdestotrotz führten viele Fehler dazu, dass die United States Navy die Kaiserliche Marine nahezu auslöschte. Ein fehlerhaftes Design, das so viel Bewaffnung wie möglich im beengten Platz an Bord unterbringen wollte führte dazu, dass gewisse Schiffe super-schwer und instabil wurden. Während die Konzentration der Flugzeuge zu einer einzigen, schlagkräftigen Waffe so effektiv wie revolutionär war, waren die Flugzeugträger nur unzureichend ausgestattet, um sich gegen Angriffe zu wehren. So fehlte Radar, ein schlechtes Design sowie die mangelnde Ausstattung mit Flugabwehr und ineffektive Feuerleitanlagen taten ihr Übriges. Der Überraschungsangriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 war zwar ein taktischer Erfolg, aber ein strategischer Fehler weil sie eine Nation in den Krieg zwang, die weder vobereitet noch gewillt war, Krieg zu führen, dafür aber auf nahezu grenzenlosen Ressourcen und Produktionskapazitäten zurückgreifen konnte. Erschwerend kam hinzu, dass so gut wie keine Einrichtung zur Unterstützung wie Werkstätten, Treibstoffdepots oder Lager angegriffen worden waren – so war es den Vereinigten Staaten möglich, sich schnell zu erholen und umso härter von ihrer Hauptbasis im Pazifik zurückzuschlagen. Im Gegensatz dazu besaß Japan nicht die Kapazitäten, seine Verluste so schnell zu kompensieren und war sehr stark auf Importe angewiesen – ursprünglich war genau diese Abhängigkeit einer der Hauptgründe für die militärischen Expansionsbestrebungen gewesen. Die schlecht beschützten Schiffslinien, die aus fehlenden Investitionen in Uboot- und Flugzeugverteidigung herrührten, ermöglichten es der USN, Japan langsam auszuhungern und in die Unterwerfung zu zwingen.

Japanische Schiffe weisen viele Variationen im Design auf. In jeder Klasse kann es einen deutlichen Unterschied in der Handhabung der Schiffe von Stufe zu Stufe geben, weil die IJN sehr viel experimentierte und sich von fremden Designs und unterschiedlichen Leitsätzen inspirieren ließ. Trotzdem überzeugen die Schiffe mit überragender Torpedobewaffnung, weit reichenden wie genauen Kanonen mit hohem Alphaschaden, großartiger Verborgenheit und glänzender Beweglichkeit. Im Gegensatz dazu steht ihre mindere Überlebensfähigkeit und unterlegene Flugabwehr. Der Spielstil verkörpert nahezu vollkommen den „Entscheidungsschlacht“-Leitsatz, der die IJN-Taktiken prägte: „Schlag schnell, hart und präzise zu, nimm aber in Kauf, dass ein Gegenschlag schmerzhaft ist.“

 

Geschichte

Bereits zum Ende des 16. Jahrhunderts hatte es unter dem Reichseiniger Toyotomi Hideyoshi eine erste gesamtjapanische Flotte gegeben, die aber im Imjin-Krieg von der koreanischen Kriegsmarine geschlagen wurde. Bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts bauten die Japaner Hochseeschiffe, die sich am westlichen Standard orientierten. Doch nachdem die Regierung (Tokugawa-Shōgunat) sich mit der Abschließung Japans für eine Isolationspolitik entschieden hatte, wurde die Produktion von hochseetauglichen Schiffen für fast zweieinhalb Jahrhunderte nicht weiter verfolgt. Die maritime Tradition wurde jedoch vom Satsuma-Clan aufrechterhalten, der ab Ende des 19. Jahrhunderts eine Schlüsselrolle in der neuentstandenen Kaiserlichen Marine spielte.

 

Die Insellage Japans hat Fischerei und Küstenschifffahrt schon früh aufblühen lassen. Bei den Ainu-Ureinwohnern hatten sich bis ins 20. Jahrhundert der Einbaum, Schilfbündelflöße und Rindenboote erhalten. Die von Koreanern und Chinesen übernommene Schiffsbaukunst machte auch die Japaner zu einem Seevolk und ermöglichte einen Seeverkehr nicht nur nach China und Korea, sondern über Formosa (Taiwan) hinaus bis nach Hinderindien und den Philippinen. Vorherrschender Fahrzeugtypus war zunächst das spantenlose Plankenboot und die aus ihm hervorgegangene Dschunke. Wie bei koreanischen Dschunken waren die Planken des Bodens der Länge nach gelegt (bei chinesischen Dschunken lagen sie quer), während Heck und Ruder chinesischen Dschunken glichen. Der Bug japanischer Dschunken lief demgegenüber spitzer und in einem Klüverbaum mit Stagsegel aus, zur Erleichterung des Wendens und Kreuzens wurden seit dem 19. Jahrhundert nach europäischem Vorbild oft Gaffel- und Sprietsegel eingeführt.[3]

Zu ersten Seegefechten zwischen den um die Macht kämpfenden Feudalfamilien kam es bereits im 12. Jahrhundert. Während des Gempei-Krieges blieben die Minamoto 1185 in den Seeschlachten von Yashima und von Dan-no-ura siegreich und beherrschten fortan als Shōgune das gesamte Land. Ihre Seemacht war jedoch bescheiden und angesichts stets neu aufbrechender Bürgerkriege kaum in der Lage, gegen die aufkommende Piraterie vorzugehen. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts begann eine neue Phase intensiver maritimer Wechselwirkungen zwischen Japan, Korea und China. Während China und Korea (Goryeo) zu Lande mit der Ausbreitung der Mongolen beschäftigt waren und gigantische Tributzahlungen aufbringen mussten, verfiel deren Küstenverteidigung und die zum Schutz des Handels notwendige Seestreitmacht. Dies machten sich japanische Piraten, die Wokou, zunutze und plünderten ab 1223 vor allem koreanische Küstenstädte und Handelsschiffe. Nach der Unterwerfung Chinas und Koreas forderten die Mongolen von Japan die Bekämpfung der Piraterie. Die japanische Ablehnung war letztlich ein Auslöser der vor allem von koreanischen Schiffen unterstützten Mongoleninvasionen in Japan 1274 und 1281. Die erfolgreiche Abwehr der Invasionen verdankten die Japaner zwar nicht ihren Kriegsschiffen, sondern ihrem Landheer und „göttlichen Stürmen“; nach der Niederlage der Mongolen und dem Verfall ihrer Macht aber begannen japanische Piraten militärisch organisierte Angriffe ab 1302 auch auf das mongolisch beherrschte China.

Die nach der Vertreibung der Mongolen 1368 in China an die Macht gelangte Ming-Dynastie und die 1392 in Korea an die Macht gelangte Joseon-Dynastie verstärkten die Küstenverteidigungen und schufen starke Kriegsflotten zum Schutz der Handelsschifffahrt sowie zur Bekämpfung der japanischen Piraten. Nach einem koreanischen Flottenangriff auf die Piratenbasis Tsushima fanden die japanischen Piratenüberfalle ab 1419 ein vorläufiges Ende. Ab Mitte des 15. Jahrhunderts jedoch verringerte China sein Marine-Engagement, auch die Küstenverteidigung verfiel. Chinesische Schmuggler schlossen sich den japanischen Piraten an. Das zeitgleiche Fehlen einer japanischen Zentralgewalt (Sengoko-Periode), die fähig oder doch zumindest willens gewesen wäre, die organisierte Piraterie zu bekämpfen, begünstigte deren Wiedererstarken. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts erreichten die entlang der schiffbaren Flüsse bis ins chinesische Hinterland reichenden Angriffe einen erneuten Höhepunkt. Erst 1563 konnten die Chinesen (Qi Jiguang) den Piraten einen vernichtenden Schlag zufügen.[4]

In Japan war erst Reichseiniger Oda Nobunaga in der Lage, die Piraterie zu beenden. Für den Kampf gegen rivalisierende Fürsten und Piraten hatte er 1576 große, möglicherweise eisenbewehrte Küstenschutzschiffe (Atakebune) bauen lassen, für die er die letzten Piraten rekrutierte. Sein Nachfolger, der Regent Toyotomi Hideyoshi wollte die nach der Reichseinigung nun arbeitslosen Samurai und Berufskrieger mit einem Feldzug gegen China ablenken. Da Korea den Japanern den Durchmarsch nach China verweigerte, begann Hideyoshi 1592 den Imjin-Krieg gegen Korea. Von Kyūshū aus setzte Hideyoshi mit hunderten Transportschiffen über. Den bis zu 200.000 gelandeten kriegserfahrenen Japanern hatte die koreanische Heeresmacht nichts entgegenzusetzen, die koreanische Kriegsmarine war der Flotte Hideyoshis jedoch überlegen und schlug sie bereits 1592 in der Seeschlacht von Okpo. Die koreanische Flotte war zwar kleiner als die japanische, die koreanische Seeleute aber waren erfahrener und kampferprobt, ihre Schildkrötenschiffe waren stärker als die zahlenmäßig überlegenen japanischen Transportschiffe. Daran änderte auch 1597 der vorübergehende japanische Seesieg von Chilcheonryang nichts. Während der koreanische Admiral Yi Sun-sin 1598 die japanische Transportflotte bei Myongnyang schlug und so den Nachschub unterband, gelang es den Koreanern mit Hilfe chinesischer Truppen, die Japaner auch an Land zurückzuschlagen.[5]

Die nach Japan zurückkehrenden Schiffe schlug Yi Sun-sin Ende 1598 in der Seeschlacht von Noryang erneut, doch auch nach dieser Niederlage und Hideyoshis Tod blieb Japan zunächst weiterhin eine Seefahrernation. Hunderte vom Tokugawa-Shōgunat ausgesandte Rotsiegel-Schiffe trieben zu Beginn des 17. Jahrhunderts Überseehandel bis zu den Philippinen, Indonesien und Hinterindien. Dort trafen sie auf europäische Schiffe, es kam zu ersten europäischen Einflüssen auf die japanische Schiffsbaukunst. Aus Angst vor überhandnehmenden europäischen Einflüssen (z. B. Christliche Missionierung) verfügte das Shogunat jedoch 1636 die Abschottung Japans, die Überseeschifffahrt wurde eingestellt, der Bau hochseetüchtiger Schiffe ebenso wie das Christentum verboten. Eine gewisse maritime Tradition hielt fortan nur noch der Shimazu-Clan aufrecht, der 1609 von Satsuma (Kigoshima) aus die Insel Okinawa und das gesamte Königreich Ryūkyū unterworfen hatte und die Seeverbindungen zu den Inseln beherrschte. Eben jene, später meist als Satsuma-Clan bekannten Abkömmlinge der Feudalherren der Region sollten in der Meiji-Epoche ab Ende des 19. Jahrhunderts eine Schlüsselrolle auch in der neuen Kaiserlichen Marine spielen.[6][7]

 

Zeit der Öffnung

Die Kōtetsu (ehemals CSS Stonewall)

Erst nach der erzwungenen Öffnung des japanischen Reiches durch die USA nach 1854 (Konvention von Kanagawa) sowie dem Bombardement von Shimonoseki und Kagoshima sah die herrschende Schicht wieder die Notwendigkeit, die maritime Verteidigung zu modernisieren und auf den neuesten Stand zu bringen.

Mit der Meiji-Restauration ab 1868 wurde der Aufbau der Marine vorangetrieben. So wurde im Jahre 1869 in Nagasaki eine Marineschule eröffnet, und zukünftige Führungsoffiziere wurden zum Studium in westliche Länder geschickt. Der Anfangsbestand an veralteten Schiffen wurde von der Shōgunat-Marine übernommen. In der Regierungszeit von Kaiser Mutsuhito erwarben die Japaner 1869 ihr erstes stahlgepanzertes Schiff von den Franzosen, die Kōtetsu, vormals Stonewall, und andere Schiffe aus Frankreich und Großbritannien. Ihre erste Feuertaufe bestand die Kaiserliche Marine im Mai 1869 in der Seeschlacht von Hakodate gegen aufständische Reste der alten Shogunat-Marine. Nach der Beendigung dieses (ersten) Bürgerkrieges verfügte die Kaiserliche Marine 1873 über 17 Kriegsschiffe mit 70 Kanonen und 2.300 Mann, darunter eine Panzerkorvette mit 12 Kanonen, eine hölzerne Korvette mit 10 Kanonen und sechs Kanonenboote mit insgesamt 23 Kanonen.[8] Ihr erster Einsatz gegen Nachbarstaaten, eine japanische Landung auf Taiwan, scheiterte 1874 noch an chinesischer Gegenwehr. Der nächste Einsatz war erfolgreicher: In Korea erzwangen japanische Kriegsschiffe bzw. japanische Kanonenbootpolitik 1876 die Öffnung dreier Vertragshäfen für den japanischen Handel. Nach einem zweiten Bürgerkrieg bzw. der Niederwerfung auch der Satsuma-Rebellion 1877 und der damit verbundenen Annexion der Ryūkyū-Inseln 1879 begann der Satsuma-Clan eine dominierende Rolle in der Kaiserlichen Marine zu spielen, zahlreiche Admirale und Marineminister entstammten dieser alten Samurai-Familie und ihren Nebenlinien (z. B. Saigō Tsugumichi, Yamamoto Gonnohyōe). Ihre Rivalität mit dem die Armee dominierenden Chōshū-Clan beeinflusste fortan die Politik der Regierung.[6][7]

Zu Anfang des Jahres 1887 verfügte die Kaiserliche Marine über ein Kasemattschiff, zwei im Gürtel gepanzerte Kreuzer, zwei gepanzerte Rammschiffe, vier Rammkreuzer, acht Kreuzer (davon drei im Bau), drei Kreuzer zweiter Klasse, zwei Rad-Avisos (davon eins als Torpedoschulschiff verwendet), sieben Kanonenboote (davon eins im Bau), drei als Schulschiffe benutzte Schraubendampfer, eine Schraubenjacht, ein Hochseetorpedoboot, 19 Torpedoboote und zwei Torpedobarkassen.[9] Von 1886 bis 1890 entwickelte der französische Kriegsschiffskonstrukteur Louis-Émile Bertin die Grundzüge des japanischen Flottenplans, bildete japanische Konstrukteure aus, entwarf moderne Kriegsschiffe und Stützpunkte.

1894, am Vorabend des Ersten Japanisch-Chinesischen Krieges, verfügte die japanische Flotte über 58 Kriegsschiffe mit 497 Geschützen, davon ein Panzerschiff und 26 Torpedofahrzeuge.[10] Die Masse der kampfstarken Einheiten, die Japan in seiner Flotte hatte, war im Ausland angekauft worden:

  • Hiei, gepanzerte Korvette, 2300 Tonnen, 1878 in Großbritannien fertiggestellt
  • Kongo, gepanzerte Korvette, 2300 Tonnen, 1878 in Großbritannien fertiggestellt
  • Fusō, Panzerschiff, 3700 Tonnen, 1878 in Großbritannien fertiggestellt
  • Naniwa, Geschützter Kreuzer, 3600 Tonnen, 1885 in Großbritannien fertiggestellt
  • Takachiho, Geschützter Kreuzer, 3600 Tonnen, 1885 in Großbritannien fertig gestellt
  • Unebi, Geschützter Kreuzer, 3615 Tonnen, 1886 in Frankreich fertiggestellt
  • Chiyoda, Geschützter Kreuzer, 2400 Tonnen, 1891 in Großbritannien fertiggestellt
  • Itsukushima, Geschützter Kreuzer, 4200 Tonnen, 1891 in Frankreich fertiggestellt
  • Matsushima, Geschützter Kreuzer, 4200 Tonnen, 1892 in Frankreich fertiggestellt
  • Yoshino, Geschützter Kreuzer, 4150 Tonnen, 1892 in Großbritannien gebaut
    Akitsushima, Geschützter Kreuzer, 3100 Tonnen, 1894 in Japan fertiggestellt
  • Hashidate, Geschützter Kreuzer, 4200 Tonnen, 1894 in Japan fertiggestellt

 

Aufstieg zur Seemacht

Die Mikasa, Flaggschiff in der Schlacht von Tsushima, war in England gebaut worden.

Einheitslinienschiffe, wie hier die Hatsuse, bildeten das Rückgrat der Flotte, bis sie durch Dreadnoughts abgelöst wurden.

Der Schlachtkreuzer Kurama war in Japan gebaut worden, wurde aber nach nur 15 Dienstjahren auf Druck internationaler Verträge wieder abgebrochen.
Die erste große Probe erlebte die Kaiserlich Japanische Marine dann im Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg. Am 17. September 1894 fand die Seeschlacht am Yalu statt, in der die japanische Flotte acht von zwölf chinesischen Kriegsschiffen versenkte.

Die Analyse der Schlacht führte zu wichtigen Erkenntnissen im Schiffbau. Insbesondere die schweren 32-cm-Geschütze der Matsushima und ihrer zwei Schwesterschiffe der Sankeikan-Klasse hatten enttäuscht, während ihren schnellfeuernden 12-cm-Waffen ein entscheidender Anteil am Sieg zugeschrieben wurde.

Nach dem Ende des ersten Japanisch-Chinesischen Krieges (1894–1895) und der von Russland erzwungenen Rückgabe der Liadong-Halbinsel an China begann Japan zur Vorbereitung eventueller weiterer Konflikte mit dem Aufbau einer schlagkräftigen Armee und Flotte. Dazu verkündete Japan einen 10-Jahres-Plan zum Aufbau seiner Seestreitkräfte. Kern des Plans war der Bau des „Sechs-Sechs-Programms“ von sechs Schlachtschiffen und sechs Panzerkreuzern als Kern der japanischen Marine. Da sich Japan noch nicht in der Lage sah, große gepanzerte Schiffe zu bauen, gingen die Aufträge an ausländische Werften, vor allem nach Großbritannien. Großbritannien und Japan näherten sich in ihren Interessen in dieser Zeit stark an, was schließlich in der Anglo-Japanischen Allianz endete. Frankreich, das anfangs einen starken Einfluss auf die Entwicklung der japanischen Marine hatte, und Deutschland schienen aus japanischer Sicht ihren Einfluss in Ostasien weiter ausweiten zu wollen.

Alle sechs Linienschiffe wurden in Großbritannien bestellt. Die beiden Schiffe der Fuji-Klasse, deren Bewilligung und Auftragsvergabe schon vor dem Krieg eingeleitet war, wurden die ersten Schiffe dieses Bauprogramms. Weitere drei Linienschiffe waren die 1896 bestellten Shikishima und Asahi, sowie die 1897 bestellte Hatsuse. Diese werden als Shikishima-Klasse bezeichnet, wobei sich Asahi als Zweischornsteiner von den beiden anderen Dreischornsteinern äußerlich unterschied, und daher oftmals als Einzelschiff betrachtet wird. Letztes Linienschiff dieses Bauprogramms war die 1902 ausgelieferte, besser gepanzerte Mikasa, die im Russisch-Japanischen Krieg als Flaggschiff der Flotte diente.

Die britische Firma Armstrong lieferte die Schiffsartillerie aller Schiffe des Ausbauprogramms, zwei der vorgenannten Linienschiffe (Yashima, Hatsuse), den geschützten Kreuzer Takasago und die vier Panzerkreuzer Asama, Tokiwa, Izumo und Iwate, von denen die beiden ersten und die letzten Schwesterschiffe waren. Aus politischen und diplomatischen Gründen wurde die Yakumo in Deutschland und ihr Beinah-Schwesterschiff Azuma in Frankreich bestellt. Die Yakumo war der einzige Neubau der japanischen Marine, der in Deutschland in Auftrag gegeben wurde. Bewaffnet waren auch diese beiden Panzerkreuzer aus Gründen der Kompatibilität mit britischen Geschützen.

Als ab 1897 die Spannungen mit Russland zunahmen, erwarb die japanische Marine noch zwei Panzerkreuzer der Kasuga-Klasse in Italien, die dort für Argentinien gebaut worden waren und sich bei Kriegsausbruch auf der Überführungsreise in Singapur befanden.

Japanische Eigenbauten beschränkten sich weitgehend auf Geschützte Kreuzer, Zerstörer und Kanonenboote. Zwischen dem Krieg mit China und dem mit Russland kamen acht Kreuzerneubauten in den Dienst der japanischen Flotte, von denen fünf (zwei der Suma-Klasse, zwei der Niitaka-Klasse und die Otowa) in Japan gebaut wurden, während die Kasagi und die Chitose aus den USA und die Takasago aus Großbritannien geliefert wurden.

Die japanische Marine beteiligte sich 1900 an der Bekämpfung des Boxeraufstandes in China auf Seiten der westlichen Mächte. Sie stellte die größte Zahl der alliierten Kriegsschiffe (18 von Anfangs 50 Schiffen) und das größte Truppenkontingent (20.840 Soldaten von Heer und Marine bei insgesamt 54.000 Mann).[11] Die Zusammenarbeit mit den europäischen Mächte und den USA gaben den japanischen Militärs Einblicke in deren Methoden, Vorgehensweisen und Entscheidungsgrundlagen.

Der nächste große Konflikt war der Russisch-Japanische Krieg von 1904/05. Bereits seit dem Frühjahr 1903 hatten große Marinemanöver stattgefunden. Am Vorabend des Krieges zählte die Kriegsflotte 7 Linienschiffe von 93.712 Tonnen Größe (darunter das größte, Mikasa, Stapellauf 1900, 15.440 Tonnen, 19 Seemeilen in der Stunde schnell, 16.400 Pferdestärken, 4 schwere 30,5 cm, 14 mittlere, 32 leichte Schnellladekanonen, 4 Torpedorohre), 1 Panzerkanonenboot, 6 Panzerkreuzer von 58.778 Tonnen Größe (der größte, Iwate, Stapellauf 1900, 9.906 Tonnen, 21 Seemeilen in der Stunde schnell, 14.700 PS, 4 schwere, 14 mittlere, 20 leichte Schnellladekanonen, 4 Torpedorohre), 16 geschützte Kreuzer von 59.529 Tonnen (der größte, Kasagi, Stapellauf 1898, 4.978 Tonnen, 22,5 Seemeilen in der Stunde schnell, 17.235 PS, 2 schwere, 10 mittlere, 18 leichte Schnellladekanonen, 5 Torpedorohre), ferner 3 Avisos, 2 Kanonenboote, 21 Torpedofahrzeuge von 203–864 Tonnen, 57 Torpedoboote von 80–152 Tonnen. Als Hilfskreuzer waren 60 Dampfer der Nippon Yusen Kabushiki Kaisha dienstbereit.[12] Nachdem die japanische Flotte im Februar 1904 in einem Überraschungsangriff die im Hafen von Port Arthur liegende russische Pazifikflotte ausgeschaltet hatte, gelang es ihr im Mai 1905 in der Seeschlacht bei Tsushima auch die zahlenmäßig überlegene russische Ostseeflotte zu besiegen. Die russische Flotte wurde dabei fast komplett vernichtet und verlor 34 von 38 Schiffen. Das Resultat der Schlacht war das Ende des Krieges und eine Veränderung im Bewusstsein der japanischen Marineplaner. Von nun an setzte man auf eine Strategie der „Großen Entscheidungsschlacht“ und begann andere mögliche Verläufe eines Konfliktes bei planerischen Überlegungen weitgehend zu vernachlässigen.

Kurz vor dem Ausbruch des Krieges mit Russland bestellte Japan noch zwei Linienschiffe ähnlich der britischen King-Edward-VII-Klasse in Großbritannien. Der Baubeginn der Katori-Klasse lag vor dem Verlust der Yashima und Hatsuse und war nicht eine Reaktion auf diese Verluste, wie oft dargestellt. Erst während des Russisch-Japanischen Kriegs bestellte die japanische Marine 1904 die Schlachtschiffe der Satsuma-Klasse, die Satsuma und Aki, in Japan, die 1905 in Yokosuka und Kure begonnen wurden. Auf diese vier Schiffe mit verstärkter Mittelartillerie folgten die ersten japanischen „Dreadnoughts“ mit den beiden Schiffen der Kawachi-Klasse, Kawachi und Settsu. Sie waren die ersten Schiffe eines neuen acht/acht Programms (8 Schlachtschiffe und 8 Schlachtkreuzer). Ebenfalls während des Russisch-Japanischen Kriegs bestellte die japanische Marine sechs Panzerkreuzer der Tsukuba-Klasse als Reaktion auf den Verlust der genannten Linienschiffe. Sie sollten die gleiche schwere Artillerie erhalten und die Geschwindigkeit eines Panzerkreuzers haben. Tatsächlich wurden nur zwei Schiffe dieser Klasse fertiggestellt. Zwei ähnliche verstärkte Panzerkreuzer kamen als Ibuki-Klasse noch vor den ersten echten Schlachtkreuzern in den Dienst der Flotte. Diese vier schweren Panzerkreuzer wurden 1912 als erste Schlachtkreuzer umklassifiziert.

Aufrüstung

Die Marinewerft in Yokosuka 1923 mit der im Bau befindlichen Amagi
Nachdem es China und Russland besiegt hatte und die meisten europäischen Staaten im Ersten Weltkrieg schwere Verluste an Schiffen und industriellen Kapazitäten hatten hinnehmen müssen, stieg Japan um 1920 hinter England und den USA zur drittstärksten Seemacht der Welt auf.

Die USA hatten sich durch ihre Annexion von Hawaii 1898 und die Besetzung der Philippinen ab 1899 auch zur Regionalmacht im Pazifik entwickelt und standen im wirtschaftlichen Wettbewerb mit Japan. Die folgende Einmischung der USA in Japans China-Politik durch die Proklamation der „Politik der offenen Tür“ ab 1899 verschärfte die Spannungen weiter. Ein zukünftiger Schlagabtausch gegen den zahlenmäßig überlegenen Gegner USA schien den japanischen Marineplanern deshalb schon früh am wahrscheinlichsten.

Um ihre quantitative Unterlegenheit auszugleichen, setzte die japanische Marine bei der Planung neuer Schiffe und der Ausbildung ihrer Mannschaften auf eine Qualitätssteigerung und ein hohes Maß an Spezialisierung. Die kleinere Zahl an schweren Einheiten, die der Marine zur Verfügung stand, sollte zunächst dadurch ausgeglichen werden, dass man die Flotte des potentiellen Gegners durch Überraschungsangriffe so weit dezimierte, dass ihre Reste in einer großen Entscheidungsschlacht besiegt werden konnten. Noch ohne die technischen Möglichkeiten des Radars, erschienen Angriffe bei Nacht, in der die Dunkelheit die eigene Schwäche zu verschleiern half, oder durch U-Boote als ein geeignetes Mittel, dieses Ziel zu erreichen.

Japans Schwere- und Leichte Kreuzer, Zerstörer und U-Boote wurden in der Folgezeit speziell für diese Aufgabe entwickelt. Ein hoher Ausbildungsstand von Offizieren und Mannschaften, bei dem Wert auf Nachtkampffähigkeiten von ganzen Flottenverbänden gelegt wurde, sollten, gemeinsam mit der Entwicklung entsprechender Waffen, wie leistungsfähigen Torpedos, helfen die Strategie umzusetzen.

Diese Festlegung führte zu technischen Entwicklungen, die Japan in diesen Bereichen allen anderen Seemächten überlegen machte. Andere Bereiche, die bei einem, wider Erwarten, langem Seekrieg wichtig sein würden, wie etwa der Schutz der Handelsschiffe und die Bekämpfung feindlicher U-Boote, wurden weitgehend ignoriert.

Durch das Londoner Abkommen am Bau neuer Schlachtschiffe nachhaltig gehindert, konzentrierten sich die Japaner auf Kreuzer und Zerstörer, betrieben aber auch den Aufbau einer Flugzeugträgerflotte und der dazugehörigen Luftfahrtindustrie.

 

Quelle: Wikipedia